Foto: Gaëtan Bally
Internationaler Filmmusikwettbewerb 2025

Kein «Golden Eye» in diesem Jahr

Der 13. Internationale Filmmusikwettbewerb lief anders als gewohnt.

«Der Preis ist extrem schwer»: Das war die erste Reaktion des Gewinners auf das «Golden Eye», das Jury-Präsidentin und Oscar-Preisträgerin Hildur Guðnadóttir überreicht hatte. Eine Last wurde die Auszeichnung dann allerdings vor allem danach: Es stellte sich heraus, dass der Siegerbeitrag gegen die Plagiatsvorschriften verstiess. Der Preis wurde deshalb aberkannt und das Preisgeld von CHF 10'000 zurückgefordert. (Mehr dazu weiter unten.)

Insgesamt hatten für diesen Wettbewerb 169 Komponist*innen aus 36 Ländern Soundtracks für den siebenminütigen Kurzfilm «Wild Love» entworfen. Der Film beginnt als idyllische Bergromanze und endet mit Murmeli-Horror: eine attraktive Vorlage auch für die Finalisten Antonio Di Iorio und Gary Hirche. Subtil und brachial, erzählend und kommentierend, sinfonisch und rockig – selten waren die fimmusikalischen Lösungen so unterschiedlich wie dieses Jahr.

Die Jury: Jasmin Gordon, Hildur Guðnadóttir, Balz Bachmann. Foto: Gaëtan Bally
Frank Strobel dirigiert Hildur Guðnadóttirs Filmmusik zu «Joker». Foto: Gaëtan Bally
Christian Jungen überreicht Hildur Guðnadóttir das «Golden Eye». Foto: Gaëtan Bally
Hildur Guðnadóttir. Foto: Gaëtan Bally
«It's heavy!»: Hildur Guðnadóttir. Foto: Gaëtan Bally
Hildur Guðnadóttir erhielt das «Golden Eye» als «Career Achievement Award». Foto: Gaëtan Bally
«The Revenant». Foto: Gaëtan Bally
Magische Klänge: Lydia Kavina mit dem Theremin. Foto: Gaëtan Bally
Dirigent Frank Strobel mit dem Tonhalle-Orchester Zürich. Foto: Gaëtan Bally

«It's heavy» sagte auch die isländische Komponistin, Cellistin und Sängerin Hildur Guðnadóttir, nachdem sie von ZFF-Direktor Christian Jungen ihrerseits ein «Golden Eye» erhalten hatte. Sie freue sich sehr über diese Auszeichnung, auch wenn ihr der dazugehörige Begriff des «Career Achievement Award» etwas fremd sei: «Musik ist für mich keine Karriere, sondern mein Leben.»

Ansonsten gab es in der ausverkauften Grossen Tonhalle viel Musik – und viel Gänsehaut: Das Tonhalle-Orchester Zürich unter der Leitung von Frank Strobel spielte nicht nur ein Medley des Schweizers Balz Bachmann, sondern auch Auszüge aus den Filmmusiken zu Horror- und Science-Fiction-Klassikern wie «Shining», «The Revenant» und «Planet of the Apes». Und, natürlich, gab es auch mit den Soundtracks zu «Tár» und «Joker» auch Werke von Hildur Guðnadóttir zu hören. Letzteres hat ihr nicht nur einen Oscar eingetragen, sondern Joaquin Phoenix auch zu einem mittlerweile legendären Tanz im Badezimmer inspiriert.

Ein letztes Highlight setzte schliesslich in der Musik zu Hitchcocks «Spellbound» Lydia Kavina mit ihrem Theremin: Das frühe elektronische Instrument, das einst der Bruder ihres Urgrossvaters erfunden hat, sorgte nicht nur für faszinierende Klänge – sondern in der Art, wie diese Klänge allein mit den Hände geformt werden, auch für einen ganz eigenen Moment der Magie.

Update 23. Dezember 2025:

Nach der öffentlichen Aufführung und Prämierung des Gewinners des 13. Internationalen Filmmusikwettbewerbs am 2. Oktober 2025 ging bei den Veranstaltern ein Hinweis ein, dass das ausgezeichnete Werk möglicherweise nicht vollständig eigenständig entstanden sei. Die beteiligten Institutionen – die Tonhalle-Gesellschaft Zürich, das Forum Filmmusik und das Zurich Film Festival – haben diesen Hinweis umgehend und mit der gebotenen Sorgfalt geprüft. Dazu wurde ein unabhängiger Experte mit einer wissenschaftlichen und musikanalytischen Untersuchung beauftragt.

Die Untersuchung kam zum Schluss, dass wesentliche Passagen der Gewinnerkomposition geschützten Werken entnommen wurden, ohne dass ein ausreichender urheberrechtlicher Abstand vorlag. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse wurde der Preisträger nachträglich disqualifiziert. Die Jury prämiert im Wettbewerb jeweils nur den ersten Platz. Deshalb haben die Veranstalter entschieden, für das Wettbewerbsjahr 2025 keinen Gewinner auszuzeichnen.

Wir bedauern den Vorfall sehr. Der Internationale Filmmusikwettbewerb versteht sich als Plattform zur Förderung junger Komponistinnen und Komponisten und basiert auf dem Grundsatz der künstlerischen Eigenständigkeit und Integrität. Die involvierten Juries bewerteten die eingereichten Werke nach künstlerischen Kriterien und eine vertiefte urheberrechtliche Prüfung war bislang nicht Bestandteil des Bewertungsprozesses. Der aktuelle Fall zeigt jedoch, dass zusätzliche Prüfmechanismen gefragt sind. Die Veranstalter haben deshalb ihre Prozesse überprüft und verschiedene Massnahmen wie beispielsweise entsprechende Tools zur Vorabprüfung eingeführt.

Update 10.06.2026:

Nach dem letzten Update haben wir uns entschlossen, den Namen des disqualifizierten Finalisten aus dem Beitrag zu löschen.

Mehr Infos

Oktober 2025
Do 02. Okt
20.00 Uhr

Internationaler Filmmusikwettbewerb

Tonhalle-Orchester Zürich, Frank Strobel Leitung, Lydia Kavina Theremin, Sandra Studer Moderation, Hildur Guðnadóttir Jury-Präsidentin Baldenweg, Bachmann, Internationaler Filmmusikwettbewerb, Glass, Wendy Carlos und Rachel Elkind, Sakamoto, Goldsmith, Jóhannsson, Guðnadóttir, Rózsa
Restkarten
veröffentlicht: 03.10.2025