Leopold und Wolfgang Amadeus Mozart (Abbildungen: Pietro Antonio Lorenzoni, Internationale Stiftung Mozarteum)
Leopold und Wolfgang Amadeus Mozart

Von Vater zu Sohn

Auch die grössten Komponisten haben einmal klein angefangen. Einige von ihnen lernten von anderen Giganten der Musikgeschichte.

Franziska Gallusser

Die Zukunft von Wolfgang Amadeus Mozart war wohl schon vor seiner Geburt vorbestimmt. «Wolferl» kam 1756 als Sohn des Komponisten, berühmten Violin-Pädagogen und erzbischöflichen Vizekapellmeisters Leopold Mozart in Salzburg auf die Welt. Durch die musikalische Förderung und Erziehung seines Vaters gilt er bei uns als «Wunderkind ». In der Wissenschaft wird allerdings mittlerweile angezweifelt, ob dies wirklich zutrifft. Der Neuropsychologe Lutz Jäncke von der Universität Zürich ist der Überzeugung, dass Mozart zwar talentiert, dazu äusserst flink, fleissig, wissbegierig und weltoffen war, aber wohl vor allem deutlich mehr geübt hatte, als es für Kinder seines Alters üblich war und ist – und so zum Musikexperten wurde. Mozart, der mit drei Jahren mit dem Klavierspiel und mit vier Jahren mit dem Geigenspiel angefangen hatte, besass also vielleicht keine «göttliche Begabung», sondern erhielt vom Vater lediglich ein Training, wie es heutzutage keinem Kind zugemutet würde. Zudem hat Leopold bei seinen Geschichten wahrscheinlich ein wenig geschummelt. So wurden die Entstehungsdaten von Werken verändert und die Noten vom Vater aufgezeichnet, die der Sohnemann angeblich erfunden haben soll, noch bevor er selbst Noten schreiben konnte.

Um dieses «Wunderkind» bekannt zu machen, gab Leopold Mozart seine gesicherte Existenz in Salzburg zeitweise auf und reiste mehrere Jahre mit seinen Kindern – denn auch die Tochter Nannerl genoss eine musikalische Ausbildung – zwischen europäischen Fürstenhöfen und Kulturzentren umher, wo der kleine Wolfgang seine Zuhörerschaft entzücken konnte. Dabei wurde in der Regel das folgende Programm absolviert: Mit verbundenen Augen spielen, auf Zuruf improvisieren und bisher unbekannte Noten vom Blatt darbieten. Dennoch war Leopold Mozart für «Wolferl» weitaus mehr als ein disziplinierter und erfolgsorientierter Zuchtmeister. Er war für ihn ein Vorbild als Musiker, aber auch als Familienmensch, geschickter Manager und Planer, gläubiger Katholik, Freimaurer sowie sozial engagierter, gebildeter und wortgewandter Mann der Aufklärung. Lange Zeit war er sein wichtigster Ansprechpartner und Vertrauter. Die beiden arbeiteten Hand in Hand an Projekten – so kopierte Leopold beispielsweise Wolfgangs frühe Werke selbst, um einen möglichen Diebstahl zu verhindern.

Als es schliesslich zum Bruch zwischen Vater und Sohn kam, war dieser für beide Seiten schmerzlich. Der pflichtbewusste Leopold konnte nicht verstehen, wieso Wolfgang, für den er sich finanziell und karrieretechnisch so aufgeopfert hatte, leichtsinnig seine feste Anstellung in Salzburg gekündigt und gegen seinen Willen Constanze Weber geheiratet hatte. Mozarts Leben – nun in Wien, fernab von seinem dominanten Vater – verwandelte sich rasch in einen Taumel: exzessive Arbeit, Trinkgelage und Spielschulden. Eine kurze Zeit lang schien das strenge Regime des Vaters vergessen, bis ihn im April 1787 die Nachricht von dessen Krankheit erreichte. Sofort schrieb er: «Sollten Sie aber wider alles Vermuten nicht besser sein, so bitte ich Sie, mir die reine Wahrheit zu schreiben, damit ich so geschwind als es menschenmöglich ist, in Ihren Armen sein kann; ich beschwöre Sie bei allem was – uns heilig ist.» Eine Antwort und ein Wiedersehen gab es nicht: Leopold Mozart starb wenige Wochen später in den Armen seiner Tochter.

April 2026
Mo 06. Apr
11.15 Uhr

Festtags-Matinee

Haika Lübcke Flöte, Isaac Duarte Oboe, Cathrin Kudelka Violine, Ursula Sarnthein Viola, Sandro Meszaros Violoncello, Matthias Würsch Glasharmonika Mozart
veröffentlicht: 30.03.2026

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